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21. März bis 16. Mai 2026:

Eine Familienkomödie mit Knalleffekt

von Armelle und Emmanuel Patron (deutsch von Kim Langner)

ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG

Diese Komödie über Familienzusammenhalt, Geschwisterliebe und pure Geldgier spiegelt

mit viel Humor unsere privilegierte europäische Position. Doch schlussendlich geht es

schlicht um die Frage: Schulden Eltern ihren Kindern etwas? Oder doch eher umgekehrt?

DIE LIEBEN ELTERN

mit Doris Richter-Bieber, Viktoria Wais,

Lukas Meier, Robert Mohor, Wilhelm Prainsack

REGIE: Doris Weiner

Bühnenbild: Martin Gesslbauer

Kostüme: Petra Teufelsbauer

Dienstags bis Samstags um 20 Uhr

So 12. & So 19. April & So 10. Mai 2026 um 16 Uhr

Familie Gruber scheint einem Bilderbuch entsprungen zu sein. Die drei erwachsenen Geschwister lieben sich – vor allem sich selbst – aber auch ihre Eltern sehr. Da bekommen die Kinder eine Nachricht. Sie mögen sich bitte sofort alle in ihrem Elternhaus einfinden. Das kann nur Schlimmes bedeuten. Sollten Mutter und Vater etwa schwer erkrankt sein? Besonders das P.S. unter der Einladung: »Wir lieben euch!« klingt sehr beunruhigend.

Und tatsächlich kündigen Vincent und Johanna an, schon bald nicht mehr im Kreis ihrer Lieben zu weilen. Jetzt, da die Kinder groß sind, würden sie nicht mehr gebraucht. Louise, die mit 32 Jahren immer noch studiert, und Leon, der trotz seiner 34 Lenze jede Woche seine schmutzige Wäsche vorbeibringt, sehen das ein bisschen anders. Aber die Eltern sind unbeirrt. Sie wollen auswandern und in Kambodscha ein Waisenhaus eröffnen.

Moment mal! Ein Waisenhaus? Das kostet doch eine Menge Geld. Auf die Nachfrage, wie sie das finanzieren wollen, drucksen sie nur herum, doch schließlich kommt es heraus: sie haben im Lotto gewonnen, und das auch noch mit den Geburtsdaten ihrer Kinder. Haben diese somit nicht Anspruch auf einen Teil des Geldes? Und wie viel ist es überhaupt genau? Die drei Geschwister fühlen sich überrumpelt, ausgeschlossen, vernachlässigt. Die über Jahrzehnte innig erlebte Verbundenheit droht in Minutenschnelle zu zerbrechen und bald fliegen in der sonst so harmonischen Bilderbuchfamilie die Fetzen…

DIE LIEBEN ELTERN zeigt auf hinreißend komische Weise, wie Missgunst und Neid entstehen, stabile Gefühle in Affekte umschlagen und die Aussicht auf Geld die Seelen zum Kochen bringt. Wie viel Geld braucht man zum Glücklichsein? Wie weit treibt uns unsere Gier nach Wohlstand? Und was sind Eltern ihren Kindern schuldig?


Diese neue Komödie vereint Witz und Tiefsinn in einem Stück - ein Feuerwerk an bissigem Wortwitz, pointierter Situationskomik und Figuren, die ihre Impulse ganz und gar nicht unter Kontrolle haben. Ein echtes Unterhaltungsjuwel von Format.


Armelle und Emmanuel Patron kennen sich bestens mit familiärem Konfliktpotential aus, denn sie sind Geschwister. Seit Jahren arbeiten sie erfolgreich für Film und Fernsehen. DIE LIEBEN ELTERN ist ihr erstes Theaterstück. Es gewann 2022 beim französischen Festival Primeur den Publikumspreis und erfreut sich inzwischen auch auf deutschsprachigen Bühnen großer Beliebtheit.

DIE LIEBEN ELTERN haben mehr Geld als Einsehen mit der Brut

Sehenswert, wie das liebe Geld eine ganze Familie in das Chaos zu stürzen vermag.


Die Franzosen Armelle und Emmanuel Patron sind in erster Linie ein erfolgreiches Autorenpaar, aber sie sind auch Geschwister, die sich darüber Gedanken gemacht haben, wie sie reagieren würden, wenn ihre Erzeuger über Nacht zu sagenhaftem Reichtum gekommen wären und damit schockierend unkonventionell umgehen wollten. Das Ergebnis ist eine Komödie, die mit dem Titel „Die lieben Eltern“ ins Deutsche übersetzt von Kim Langner nun in der Komödie am Kai ihre österreichische Erstaufführung feiern durfte. Als deutsch-französische Schauspielerin und Autorin hat Kim von der Muttersprache her den Esprit français im Blut und lässt damit den Witz in den Dialogen zwischen Mama, Papa und drei erwachsenen Kindern entsprechend blitzen und damit dem von Pointen gespickten Text gerecht zu werden.

Die erfahrene Theaterfrau Doris Weiner hat dafür die Regie übernommen und das Stück mit einem tollen Ensemble umgesetzt. Das pensionierte Lehrerehepaar Vincent (Robert Mohor) und Johanna (Doris Richter-Bieber) hat die beiden Söhne und ihre Tochter mit bedenklicher Dringlichkeit zu sich beordert. Maximilian (Wilhelm Prainsack), Leon (Lukas Meier) und Luise (Viktoria Wais) sind deswegen von größter Sorge erfüllt. Was ist passiert oder noch schlimmer, was könnte geschehen, dass sie darüber auf der Stelle reden müssten? Von einer bisher unbekannten Krankheit, sogar vom gemeinsamen Freitod ist die Rede – ein Gedanke, der zu einer sehr heftigen Heulattacke führt. Damit aber haben sie nicht gerechnet! Eher aus Spaß haben Vater und Mutter einmal im Leben Lotto gespielt und, wie es ein wohlmeinender Zufall wollte, den Jackpot abgeräumt. Statt den Geldsegen nun auf herkömmliche Art, z. B. mit Sportwagen und eigener Yacht zu genießen, haben Vincent und Johanna beschlossen, in Kambodscha ein Waisenhaus zu gründen. Was?! Wie?! Warum?! Fassungslosigkeit! Aus dieser eher seltsamen Vorgabe entwickelt sich eine Auseinandersetzung, in der alle Beteiligten kräftig Federn lassen müssen. Max ist Unternehmer, Golfspieler und selbst schon Familienvater, der sich von diesem Kuchen ganz gern ein größeres Stück abschneiden möchte. Sein Bruder rauft sich als Theaterkritiker so recht und schlecht durchs Dasein, ist aber in seinen Forderungen wesentlich bescheidener. Luise hätte noch gerne das verschleppte Studium zur Fachmedizinerin abgeschlossen und ist in finanziellen Angelegenheiten eher unbedarft. Alle drei hätten das Geld also durchaus gut gebrauchen können, das ihnen nun durch schier unbegreiflichen Idealismus auf Seiten der Besitzenden vorenthalten wird. Nach zähem Ringen im ersten Teil nimmt das Stück nach der Pause ordentlich Fahrt auf, um zwischen Komik und ernsthaften Argumenten pendelnd die durch den schnöden Mammon beinahe zerrüttete Familie in aller Liebe wieder zu vereinigen.


Hannes Gans, Kultur & Wein

DIE LIEBEN ELTERN (Österreichischen Erstaufführung)

Mit der österreichischen Erstaufführung von DIE LIEBEN ELTERN in der Komödie am Kai legt Regisseurin Doris Weiner eine pointiert gearbeitete Familienkomödie vor, die sich hinter boulevardesken Oberflächen als präzise Gesellschaftsanalyse erweist. Zwischen Erbschaftsfragen, emotionalen Abhängigkeiten und moralischen Selbstentwürfen entfaltet sich ein Kammerspiel, das seine Energie aus der Enge des Privaten bezieht und zugleich darüber hinausweist.

Der Text von Armelle Patron und Emmanuel Patron folgt einem klassischen dramaturgischen Arrangement. Eine familiäre Ausnahmesituation, ausgelöst durch den radikalen Lebensplan der Eltern und einen verschwiegenen Lottogewinn, legt latente Konflikte frei. Die Inszenierung vertraut auf die dialogische Präzision des Stücks und auf ein treffsicheres Timing, das insbesondere dort Wirkung entfaltet, wo die Komik ins Unbehagliche kippt

Im Zentrum steht ein geschlossen agierendes Ensemble. Doris Richter-Bieber zeichnet die Mutter Johanna mit kontrollierter Ambivalenz und entwickelt eine Präsenz, die Fürsorge und Entschlossenheit gleichermaßen trägt, ohne in Überzeichnung zu verfallen. Robert Mohor setzt dem als Vincent eine bewusst reduzierte Körpersprache entgegen. Gerade diese Zurücknahme verleiht der Figur eine stille Autorität und macht sie zum reflektierenden Gegenpol innerhalb der eskalierenden Dynamik. Spannung entsteht hier aus minimalen Verschiebungen in Haltung, Blick und Rhythmus, eine präzise gearbeitete Darstellung von großer innerer Dichte.

Unter den Geschwistern setzt Viktoria Wais als Luise markante Akzente, indem sie Selbstgerechtigkeit mit verletzlicher Fragilität verschränkt. Lukas Meier gestaltet Leon mit feiner Differenzierung zwischen Widerstand und Verletzlichkeit. Seine kontrollierte Körpersprache und präzise gesetzten Pausen verdichten die Szenen zu intensiven Momenten. Wilhelm Prainsack verleiht Maximilian eine klar konturierte Strenge, die durch subtile Brüche unterlaufen wird und der Figur zusätzliche Tiefe verleiht.

Das Bühnenbild von Martin Gesslbauer etabliert eine realistische Wohnsituation, deren bürgerliche Stabilität im Verlauf sichtbar erodiert. Diese visuelle Konstanz bildet ein wirkungsvolles Gegenbild zur emotionalen Eskalation. Die Kostüme von Petra Teufelsbauer setzen auf feine soziale Codierungen, ohne sich in Symbolik zu erschöpfen.

Weiners Regie bleibt bewusst unprätentiös und dem Text verpflichtet. Der Verzicht auf überbordende Effekte lenkt den Fokus konsequent auf Sprache und Spiel. Gerade daraus gewinnt der Abend seine nachhaltige Wirkung. DIE LIEBEN ELTERN erscheint hier nicht bloß als unterhaltsame Boulevardkomödie, sondern als präzise Studie familiärer Selbsttäuschung, pointiert, klug und von bemerkenswerter Schärfe in den Brüchen zwischen behaupteter Harmonie und offenem Konflikt.

Noch bis 16. Mai 2026!

5 von 6 Sternen: ★★★★★


Michaela Springer, Musicalcocktail