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Vom 12. September bis 5. Oktober 2019:

Mitten in der Nacht an einer Landstraße sitzt eine Frau auf einem Koffer, umringt von vielen Taschen, will sie irgendwohin, nur weg. Man hört einen Wagen, Scheinwerfer, sie steht auf und hält den Daumen raus. Der Wagen fährt vorbei...

Die eine reißt aus dem Altersheim aus, die andere aus der Familie. An der Straße treffen sie sich, zufällig, um das Weite zu suchen. Sie wissen beide, wovor sie fliehen, aber nicht, wohin sie eigentlich wollen. Sie geraten in witzige Situationen und an merkwürdige Orte, bestehen kleine Abenteuer und als sie den Bogen überspannen, bekommen sie sogar richtig Ärger.

Die Spanne zwischen dem ersehnten Platz in der Welt und dem Erlebten wird auf humorvolle Weise gefüllt mit Sarkasmus, Lachen und Melancholie. Ein Abend, der getragen wird von Träumen, Enttäuschungen und der Sehnsucht, auf der Straße des Lebens noch einmal so richtig durchzustarten

Eine Komödie von Pierre Palmade und Christophe Duthuron

Deutsch von Beate Fendt


Dany Sigel & Sabine Muhar spielen anlässlich des achtzigsten Geburtstages der Grande Dame des österreichischen Boulevardtheaters diese humorvolle und liebenswürdige Erfolgskomödie mit sarkastischem Witz und schrägen Pointen!


Claude denkt nicht daran, den Rest ihres Lebens im Altersheim „Zu den Gladiolen“ zu verbringen! Beim Autostoppen trifft die unternehmungslustige Dame auf Margot, die am 18.Geburtstag ihrer Tochter ihre Familie verlässt. Gemeinsam machen sich die beiden Ausreißerinnen auf den Weg ins Abenteuer. Eine herzerfrischende Komödie über die stürmische Begegnung zweier höchst unterschiedlicher Frauen!

DIE AUSREISSERINNEN

täglich, außer Sonntag & Montag um 20:15 Uhr

mit Dany Sigel & Sabine Muhar


Gastspiel von Teatro Comédie

Regie: Das Ensemble

Produktionsleitung: Pani Stamatopolos

Pressephotos: © Joe Knapp-Menzl

Szenenphotos: © Fritz Novopacky

„Warum gibt es so wenige witzige Theaterrollen für ältere Schauspielerinnen?“ beschwerte sich die französische Starkomödiantin Line Renaud. Damit war der Ehrgeiz von Pierre Palmade und Christophe Duthuron geweckt, und die beiden Herren (Pierre Palmade spielte u.a. in „Asterix gegen Caesar“) schrieben die herzerwärmende Komödie „Die Ausreißerinnen“, deren Fernsehausstrahlung in Frankreich zum Sensationserfolg wurde.

DIE AUSREISSERINNEN Spontane Reise in ungewisses Glück

Das Bedürfnis nach einem neuen Leben kennt keine Altersschranken


Um den Weg zur Freiheit auf unterhaltsame Weise aufzuzeigen, braucht es eine unwahrscheinliche Handlung. Alles andere wäre belehrend und damit wohl genauso langweilig wie die meisten Sinnfindungsseminare, in denen sich um gutes Geld frustrierte Zeitgenossen in ein weiterhin unerfülltes Dasein führen lassen. Also, da steht Claude am Straßenrand, mit nichts als einem Mantel, ihrer Tasche und dem festen Willen, weg aus dem grauen Altersheim mit dem blumigen Namen „Gladiolen“! Ihr Sohn hat sie lieblos dorthin gesteckt. In eben dieser nächtlichen Einsamkeit sitzt bereits Margot. Sie schleppt Koffer, Rucksack und was man halt sonst so mitnimmt, wenn man am 18. Geburtstag der Tochter beschlossen hat, von daheim und einer mittlerweile unlieben Familie abzuhauen. Per Autostopp soll es in eine Welt hinausgehen, wo es keine Hausordnung oder z´wideren Ehemann gibt. Zwischen den beiden Frauen liegen zwar einige Jahrzehnte Altersunterschied, es dauert aber nicht lange, in diesem Fall lediglich die Fahrt mit einem Grabscher, um den Grundstein für eine Freundschaft zu legen.

Sie haben im tiefen Wald beim Versuch, Feuer zu machen und ein nicht vorhandenes Essen zu kochen, genügend Gelegenheit, über die diversen Gründe für diese sonderbare Flucht zu reden. Schauplatz ist eine Landschaft irgendwo in Frankreich. Die beiden Autoren der Komödie „Die Ausreißerinnen“, Pierre Palmade und Christophe Duthuron, verraten dazu nur wenig, aber doch so viel, um die Zuschauer wissen zu lassen, dass es so nicht gut gehen kann, weil die angepeilte Freundin von Claude verstorben ist und die Besitzer des für eine Nacht aufgebrochenen Hauses blöderweise erscheinen und die Polizei verständigen.

Für dieses Stück genügen zwei großartige Schauspielerinnen. In der Komödie am Kai sind es Sabine Muhar als Margot und Dany Sigel als Claude. Genauso bescheiden ist die Bühne, auf der Siegbert Zivny mit einer Projektionswand und ein paar Kisten auskommt, um Bett, Grab und Häfenpritsche in die jeweilige Umgebung wie Stall, Friedhof oder Wohnzimmer zu stellen. Als Produzent zeichnet Pani Stamatopolos verantwortlich. Groß von Regie braucht nicht gesprochen zu werden.

Sowohl Muhar als auch Sigel wissen selber am besten, wie man sein Publikum gekonnt unterhält. Herrlich sind die charmanten Spitzen, mit denen Claude ihre doch große Lebenserfahrung der jüngeren mitteilt, angefangen von den zahlreichen Liebhabern, über denen ihr verstorbener Gatte wie ein mächtiger Berg über der Küste gethront hat, bis zur extremen Bescheidenheit im Reisegepäck, die allerdings an einem Nippes-Elefanten an ihre Grenzen stößt.

Margot ihrerseits revanchiert sich mit wahrer Herzlichkeit, die sie gekonnt hinter einem zur Schau gestellten Unwillen durchklingen lässt. Man kommt einander näher, wechselt vom Sie zum vertrauten Du und weiß nach all den gemeinsamen Erlebnissen ohne Worte, was der andere gerade denkt und will. Neben dem Lachen über diese spontane Reise in ein ungewisses Glück schafft dieser Abend wohltuende Besinnlichkeit und vor allem die Gewissheit, dass es für den Aufbruch in ein neues Leben nie zu spät ist.


Kultur & Wein, 19. September 2019