Willkommen       Spielplan       Stücke       Kartenverkauf       Lage       Kontakt       Presse

Vom 6. April bis 25. Mai 2019:

Heute ist ein ganz besonderer Tag für Georg und Helene. Mit gemischten Gefühlen sehen sie ihren jüngsten Sohn Robert die Koffer packen. Er zieht von zu Hause aus, um zu studieren. So verlässt also auch der jüngste Sprössling das elterliche Nest, um ein neues, selbständiges Leben zu beginnen.

Allerdings: so übel ist der Gedanke: „Endlich Allein – Endlich allein zu zweit!“ auch wieder nicht! Insgeheim schmieden die guten Eltern bereits emsig Pläne für ihr zukünftiges Leben: Harmonische, zärtliche Abende, Treffen mit Freunden, Reisen... Besonders Helene freut sich darauf, noch einmal durchstarten zu können und ihr dereinst abgebrochenes Kunststudium weiterzuführen.

Für diesen ersten Abend in trauter Zweisamkeit hat Georg liebevoll ein romantisches Dinner bei Kerzenlicht vorbereitet – doch plötzlich fällt eine Tür ins Schloss...

Der Lachschlager von Lawrence Roman

Deutsch von Wolfgang Spier


„Wenn sie klein sind, dann sind sie so süß, dass man sie am liebsten auffressen würde.

Wenn sie groß sind, bedauert man, dass man es nicht getan hat.“

Drei erwachsene Söhne verwandeln die elterliche Idylle in ein Tollhaus.

Freche Dialoge und ein turbulentes Chaos garantieren einen heiteren Theaterabend.

HOTEL MAMA

täglich, außer Sonntag & Montag um 20:15 Uhr

mit Lara Neversal, Anke Zisak, René Huget,

Felix Millauer, Oliver Roitinger, Ralph Saml


REGIE: SISSY BORAN & ANDREA ECKSTEIN

Bühnenbild: Siegbert Zivny

Kostüme: Barbara Langbein

HOTEL MAMA mit Brieftauben und Rückentwicklern

Die unwiderstehliche Anziehungskraft eines Nests mit sechs bequemen Türen


Zumindest zwei Söhne sind längst in einem Alter, in denen andere bereits auf eigenen Beinen stehen. Der dritte im Bunde ist grad so alt, dass er vom Bundesheer abgerüstet sein und mit dem Studium anfangen kann. Den Eltern ist nichts zu teuer, um ihrem Nachwuchs die besten Chancen auf ein erfolgreiches Leben zu bieten. Der Mittlere (27) studiert in Oxford, sein älterer Bruder (30) darf sich an einen Online-Shop in Berlin versuchen und der Benjamin (19) macht sich auf, um in Zürich eine renommierte Hochschule zu besuchen. Mit seinem Exodus wäre also Ruhe im Hause Bauer eingekehrt. Georg und seine Gattin Helene freuen sich wie Kinder auf entspannte Tage zu zweit – ein Labsal, das ihnen seit der Geburt des Ältesten nicht gegönnt war. Sie könnte sich endlich in ihrer Berufung als Malerin verwirklichen und er hätte die Möglichkeit, mit seiner Frau zweisame Stunden zu verbringen, inklusive all der Sinnlichkeit, die ihnen bei Anwesenheit ihres Nachwuchses verwehrt gewesen war. Was wird nun aus den hoffungsvoll erwarteten glücklichen, unbeschwerten Tagen in Wirklichkeit?

Die ernüchternde Antwort hat der US-amerikanische Dichter Lawrence Roman in eine zeitlose Komödie verpackt. Der Titel „Hotel Mama“ verrät schon eine ganze Menge über die Kalamitäten, denen Georg und Helene in der Folge ausgesetzt sind. Der Autor beschreibt mit klarem Blick, was aus Eltern wird, die nicht rechtzeitig „Nein“ sagen können. Sie verkommen zu Opfern von Brieftauben und Rückentwicklern, die ihnen argumentativ haushoch überlegen sind, wenn es darum geht, die in jeder Hinsicht zweifellose Bequemlichkeit des Elternhauses zu verteidigen.

Spaß ist bei diesem Stück garantiert, denn nahezu alle im Publikum können sich in irgendeiner Weise mit dem Geschehen identifizieren, und das aus der Sicherheit des dunklen Zuschauerraumes, der sie davor bewahrt, die eigenen Nesthocker daheim neben sich zu haben. Sissy Boran & Andrea Eckstein haben die amüsante Rauferei um Bleiben und Gehen für die Komödie am Kai inszeniert und für die türenreiche Bühne – sie weist sechs Zu- und Abgänge auf – Siegbert Zivny gewonnen.

Drei der Zimmer gehören (von links nach rechts) Michael (René Huget), einem Mathematiker mit dem Bedürfnis, unlösbare Probleme zu bewältigen. Die Mitte bewohnt bis zur Reise nach Zürich Robert (Felix Millauer), der nicht faul die in Innsbruck kennengelernte Josi (Lara Neversal) zur unerwarteten und die anderen männlichen Anwesenden durcheinander wirbelnden Hausgenossin der Familie Bauer macht. Der fesche Daniel (Oliver Roitinger) wird von seiner Frau rausgeschmissen und kehrt deshalb zurück in sein Jugendzimmer, um dort weiterhin seinem ungebremsten Drang nach Aufreißen und Mädels umlegen, wohl versorgt von Muttern, nachgehen zu können. Es ist bald einzusehen, dass das nicht geht. Man beginnt, mit der hübschen, auf ein eigenes Leben hungrigen Helene (Anke Zisak) und deren schafsäugig treuen Angetrauten Georg (Ralph Samel) mitzufiebern.

Wann wird es ihnen gelingen, die Bagage bei der einen Tür, die ins Freie führt, durch- und hinauszubringen? Bis es so weit ist, ereignen sich rechts in der Küche noch Kochkatastrophen, im Garten Explosionen im Dienste der Wissenschaft und links im Schlafzimmer der Alten – nichts! Ob dort, und nicht nur bei missglückten Versuchen von ehelichem Sex auf der dominierenden roten Couch mitten auf der Bühne irgendwann die Post abgeht, muss man sich selbst erlachen, eben im Hotel Mama.


Kultur & Wein, 10. April 2019



HOTEL MAMA - Komödie am Kai

Der KOMÖDIE AM KAI ist mit dem  Stück: „Hotel Mama“ von LAWRENCE ROMAN wieder ein erstklassiger Griff in die Kiste der Boulevardkomödien gelungen. Der 1921 geborene, aus Kalifornien stammende Schriftsteller, war Drehbuchautor für namhafte Filmfirmen und schrieb Rollen für viele berühmte Schauspieler. "Hotel Mama", feierte 1984 am Broadway unter dem Namen „Alone Together“ seine englische, und 1987 unter dem Titel „Endlich Allein“ die deutsche erfolgreiche Premiere.

Es ist das, sich ewig wiederholende Thema der erwachsenen Sprösslinge, die sich nicht so richtig von den Eltern abnabeln können, weil es doch aus verschiedensten Gründen praktisch und wirtschaftlich ist, im Hotel Mama zu bleiben. Auch eine MG mit den Eltern wird nicht ausgeschlossen. Dass diese sich aber nach all den Jahren, in denen sie wegen der Kinder nie richtig frei waren endlich nach Freiheit sehnen, stößt natürlich auf Unverständnis der Jugend. Die sich daraus entwickelnden Konflikte kennt jedes Paar; das sich schon in solcher Situation befunden hat.

Der tiefsinnige, trotzdem überaus komödiantische Text, wurde vom Ensemble des kleinen Theaters brillant vermittelt. Jede Pointe saß, jede Bewegung passte. Ralph Saml und Anke Zisak als Ehepaar Bauer, das sich, nach dem Auszug ihres jüngsten Sohnes auf die Freiheit freut, vermittelte wirklichkeitsnah die Enttäuschung, als alle drei Söhne wieder ins Haus schneien. Besser hätte man die Gefühle zwischen Freude und Enttäuschung nicht darstellen können. Lara Neversal, in der Rolle der Josephine Jungblut, die eigentlich uneingeladen auftaucht, spielt ihr volles Temperament sympathisch und witzig aus. Die drei, aus verschiedenen Gründen heimkehrenden Söhne, verkörpert von Felix Millauer, René Huget und Oliver Roitinger, zeigten nicht nur ihr komödiantisches Können, sondern ließen das Publikum auch ihre Freude an den Darstellungen spüren.

Der, das ganze Stück durchziehende rasante Ablauf mit den unzähligen Pointen, war ein Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer. Spritzige, lebendige Gegenwartsregie von Sissy Boran & Andrea Eckstein mit dem gesamten Hintergrundteam. Erwähnenswert ist auch die informationsreiche und liebevolle Gestaltung des Programmheftes.

Man kann nur wünschen, dass dieses kleine, feine, familiäre Theater noch lange bestehen bleibt. Werden sie zum Liebhaber dieser Bühne, sie werden dort sicher immer qualitätsvolle, erfrischende, gute Unterhaltung finden.


Vienna Journal, 14. April 2019



"Hotel Mama" in der Komödie am Kai: Trautes Heim mit Hindernissen


rautes Heim, Glück allein! Diese Devise scheint Georg und Helene ins Gesicht geschrieben, schließlich ist der Tag gekommen, an dem auch der jüngste Sprössling das Elternhaus verlässt. Robert, 19 Jahre jung, zieht nach Zürich, um dort an der ETH zu studieren, seine beiden älteren Brüder sind bereits längst flügge: Daniel, der Älteste, und schon um die 30, hat in Berlin beruflich Fuß gefasst, Michael wiederum studiert und forscht im britischen Oxford.

So weit, so gut, denken sich die Eltern. Doch kaum ist der Jüngste mit Sack und Pack Richtung Schweiz aufgebrochen, fallen die beiden älteren Söhne wieder ins elterliche Domizil in Mödling ein. Denn Daniel hat Eheprobleme und wurde von seiner Frau hinausgeworfen, wohingegen Michael das nasskalte Klima in England vorschützt, um seine Rückkehr ins Elternhaus zu rechtfertigen.

Aus der Traum von der trauten Zweisamkeit, von erholsamen Auszeiten im Spa, und ganz besonders für Helene ist die Situation höchst unerfreulich, schließlich wollte sie endlich ihrer Selbstverwirklichung Ausdruck verleihen und ihre Karriere als Malerin vorantreiben. Was folgt, ist eine Reihe an kleineren und größeren Katastrophen und der Einzug einer neuen, sehr jungen Mitbewohnerin, bis Mama Helene eines Tages der Geduldsfaden reisst und sie die Flucht ergreift…

Der US-amerikanische Autor Lawrence Roman (1921-2008) hat die Thematik der späten Nestheimkehrer in ein höchst amüsantes Stück mit dem Titel „Hotel Mama“ verpackt, das Sissy Boran und Andrea Eckstein an der Komödie am Kai inszeniert haben, mit viel Schwung und rasanten Tür-auf-Tür-zu-Auftritten und -Abgängen in einer stilvoll-gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre (Bühnenbild: Siegbert Zivny).

Das Ensemble versteht es perfekt, die zahlreichen Pointen in diesem generationenübergreifenden Bühnenspaß geschickt auszuspielen. Anke Zisak ist eine hinreissende Helene, die sich zwar ihren wohlverdienten Freiraum wünscht, allerdings lieber ihren Gatten vorschickt, damit dieser den Sprösslingen die Leviten liest. Ralph Saml glänzt als verständnisvoller Georg, der einige Anlaufschwierigkeiten zu meistern hat, bevor er sich endlich durchringt, mit seinen Söhnen Klartext zu reden.

Lara Neversal ist eine entzückende Josephine, genannt Josy, die – aus komplizierten Familienverhältnissen stammend und flüchtig bekannt mit dem jüngsten Abkömmling Robert – sogleich in dessen Zimmer einzieht und für allerlei Furore in der WG sorgt. Oliver Roitinger, René Huget und Felix Millauer mimen gradios das sensible Brüder-Trio, das es meisterlich versteht, die Bequemlichkeiten des Elternhauses in vollen Zügen zu genießen und die eigene, spärlich vorhandene Problemlösungskompetenz an die Eltern zu delegieren: Roitinger als Daniel, dem seine Ehefrau wegen eines Gspusis die Koffer vor die Tür gestellt hatte und der dennoch gleich mit Josy anbandelt, Huget als intellektueller Mathematiker Michael, der die Küche seiner Eltern gerne als Raum für brandgefährliche Experimente zweckentfremdet, und schließlich Millauer als Robert, der auf der Suche nach einem Zahnarzt doch wieder im Schoß der Familie gelandet ist.

Wer wissen möchte, ob es den Eltern gelingt, die Söhne doch noch zum Auszug zu überreden, wohin Mama Helene zwischenzeitlich geflohen ist, und warum plötzlich sogar der Verkauf des Familiendomizils zur Diskussion steht, der sollte sich dieses vergnügliche Stück keinesfalls entgehen lassen!


Anja Schmidt, Kultur Schatulle, 15. April 2019