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Bis 5. Jänner 2019:

Anna ist als Haushälterin eine wahre Perle: geschäftstüchtig, gewitzt, wenn auch mit einer Schwäche für Hochprozentiges. Als die Herrschaften Claudia und Bernhard beschließen, einen Kurzurlaub zu machen, freut sich Anna auf eine Woche sturmfreie Bude und gibt vor, ebenfalls zu verreisen.

Aber die Ruhe daheim währt nicht lange, denn plötzlich steht Claudia samt unbekannter, männlicher Begleitung in der Tür: mit ihrem Geliebten will sie es sich ebenfalls in der Wohnung gemütlich machen. Als kurz darauf auch Bernhard mit seiner Geliebten zurückkehrt und sich ebenfalls in sturmfreier Umgebung glaubt, folgt ein humorvolles Durcheinander, das jede Menge Staub aufwirbelt.

Aber Anna wäre nicht Anna, wenn sie diese heikle Situation nicht sauber mit Witz und Einfallsreichtum gelöst bekäme...

Der Lachschlager von Marc Camoletti

Das Stück rund um eine geschäftstüchtige und gewitzte Haushälterin garantiert einen unterhaltsamen Theaterabend, an dem kein Auge trocken bleibt und verspricht eine Mischung aus Witz, Chaos, Intrigen und sogar ein wenig Romantik!

DIE PERLE ANNA


täglich, außer Sonntag & Montag um 20:15 Uhr,

Silvester um 18:00 & 21:00 Uhr

mit Eva Agai, Irene Budischowsky, Lara Neversal

Victor Kautsch, Ralph Saml

Aufgrund einer Erkrankung von Ulli Fessl übernimmt Eva Agai die Rolle der "Perle Anna"


REGIE: SISSY BORAN

Bühnenbild: Siegbert Zivny

Kostüme: Barbara Langbein

„Die Perle Anna“: Schimmernder Boulevard-Klassiker in der Komödie am Kai

Bei der Planung eines Seitensprungs sollte man nicht auf einen hilfreichen Geist vergessen


Marc Camoletti (1923-2003) war ein Meister des dramaturgisch ausgeklügelten Lustspiels, seine Stücke wie „Boeing Boeing“, „Das (perfekte) Desaster Dinner“ oder „Die Perle Anna“ sind mittlerweile zu Klassikern des gehobenen Boulevard-Theaters mutiert. Letztgenanntes Stück hat Prinzipalin Sissy Boran in einer Bearbeitung von Andrea Eckstein für ihre Komödie am Kai stimmungsvoll und mit einem vortrefflichen Ensemble in Szene gesetzt.

Camolettis Lustspiel lebt nicht zuletzt von seinem Schwung, mit dem die sechs Türen auf der Bühne auf und zu gehen. Die drei Damen und zwei Herren bewegen sich mit großer Spielfreude durch die Handlung, die in ein nobles Apartment nach Wien-Hietzing verlegt wurde. Dort hält die Haushälterin Anna, eben eine echte „Perle“, das Szepter in der Hand, wenn es darum geht, die Heimlichkeiten der gnädigen Herrschaften zum eigenen Vorteil zu gebrauchen.

Denn sowohl Claudia als auch Bernhard, die Eigentümer der schicken Wohnung, gehen außerehelichen Romanzen nach: Bernhard gaukelt seiner Gattin eine dringend notwendige Dienstreise nach Kärnten vor und überredet sie, nach langer Zeit doch endlich wieder ihre Mutter in Bregenz zu besuchen. Auch Anna soll das Haus verlassen und ihrer Schwester und dem Schwager in Mistelbach Gesellschaft leisten. Doch beide Ehepartner landen nach fingierten Abreisen wieder in ihrem Refugium, und beide nicht allein: Bernhard hat seine junge heiratswillige Freundin Cathy im Schlepptau, Claudia wiederum möchte die Gunst der Stunde nützen, um mit ihrem frisch geangelten Geliebten Robert traute Zweisamkeit zu genießen. Aber auch Anna versteht es, aus der Situation Profit zu schlagen, spart sich das erhaltene Geld für die Reise zu ihrer Schwester und erhofft sich einen gemütlichen Abend daheim. Als nun alle Beteiligten wieder zu Hause ankommen, ist guter Rat teuer, und Anna muss sich gehörig ins Zeug legen, um dem heraufdräuenden Chaos Einhalt zu gebieten.

Sissy Boran hat das Tür-auf-Tür-zu-Stück im gelungenen Bühnenbild von Siegbert Zivny (Kostüme: Barbara Langbein) mit feinem Gespür für treffsichere Pointen und punktgenaues Timing in Szene gesetzt. Ulli Fessl als Premierenbesetzung lieferte ein Bravourstück einer gewitzten, mit allen Wassern gewaschenen und geschäftstüchtigen „Perle“ ab, der es mit vielen Tricks gelingt, ihre Brötchengeber samt deren Hausgästen in Schach zu halten (mittlerweile verkörpert die vielseitig talentierte Eva Agai als Alternativbesetzung die Rolle der Haushälterin). Irene Budischowsky als Claudia und Ralph Saml als Bernhard geben ein grandioses Paar ab, das getrennt voneinander vor seiner Haushälterin in Erklärungsnotstand gerät. Victor Kautsch ist ein hinreissender Robert (aus dem Sportler im Original wurde ein Sportfotograf) mit französischem Akzent, Lara Neversal (eine großartige Neuentdeckung auf der Bühne der Komödie am Kai) eine entzückende Cathy aus der Schweiz.

„Die Perle Anna“ ist ein schimmernder Boulevard-Klassiker, den es sich unbedingt anzusehen lohnt!


Anja Schmidt, Kultur Schatulle, 18. November 2018

DIE PERLE ANNA Anständiger Spaß mit klassischem Boulevard

Bei der Planung eines Seitensprungs sollte man nicht auf einen hilfreichen Geist vergessen


Ein Schweizer in Frankreich, was kann aus so einem Menschen werden? Zum Beispiel Künstler. Marc Camoletti ist in Genf geboren und lebte von Kind an in Paris. Zuerst war er Maler, dessen Gemälde gut gekauft wurden, bis es ihm offenbar zu dumm wurde, sich auf der Leinwand zu verwirklichen. Nach acht Jahren begann er mit dem Verfassen von Theaterstücken. Es wurden daraus unterhaltsame Komödien, von denen „Boeing Boeing“ und „La bonne Anna“ Kultcharakter erreichten. In beiden Stücken geht es – worum denn sonst? – um die Liebe und die damit verbundenen Verwicklungen, wenn mehr als ein Partner bewältigt werden muss. So ist eben das Leben! Und wer es nicht zumindest einmal durchgemacht hat, ist ein armer Tropf oder, um gerecht zu bleiben, eine bedauernswerte Tröpfin. Hallodris gibt´s auf beiden Seiten. Sie dürfen verheiratet sein oder ledig und der Promiskuität huldigen; eins ist sicher, solche Zeitgenossen erhalten sich die prickelnde Spannung, die an der Seite eines einzigen Bettgenossen bald zur ermüdenden Pflichtübung wird.

Aber wer kann nun besser darüber lachen, wenn ihm auf der Bühne solche Situationen vorgespielt werden? Derjenige, der weiß, worum es geht und selbst mit diesbezüglichen Schurren aus einem abenteuerlichen Dasein glänzen kann, oder derjenige, dessen einziger Spaß in der Schadensfreude am letztendlichen Scheitern derartiger Versuche besteht? Camoletti hat für beide geschrieben. Den einen verrät er Tipps und Tricks, wie man aus der verfänglichsten Situation entkommt, den anderen stärkt er mit einem moralischen Happy End den Rücken, damit sie sich im rechtschaffenen Stolz an die Brust schlagen und behaupten können, dass sie aber schon überhaupt nicht so verdorben sind wie die ihm vorgeführten Versager.

„Die Perle Anna“ ist mittlerweile klassischer Boulevard, der verlässlich für gute Auslastung auch kleinerer Bühnen sorgt. Sissy Boran, die erfahrene Prinzipalin der Komödie am Kai, hat das Stück nach Wien verlegt. Schauplatz ist eine Villa in der Einsamkeit der Hietzinger Cottage, wo kein Nachbar bei den Fenstern herein schauen kann, um eventuell Anstoß zu nehmen, wenn Bernhard (Ralph Saml) eine für ihn viel zu junge Flamme (Lara Neversal als charmant schwyzernde Cathy) dorthin verschleppt.

Warum er nicht vorübergehend ein Hotelzimmer bucht, dürfte an der Heiratswilligkeit der jungen Dame liegen, der er blöderweise vorgeschwindelt hat unbeweibt zu sein. Jeder Connaisseur wird bestätigen, dass es nichts Grausameres gibt als einen Anruf, bei dem dieser Aufriss erklärt, bereits am Flughafen zu sein. Mit den wahrlich dümmsten Schmähs schafft er es, seine Angetraute zu einer spontanen Reise zu ihrer Mutter nach Bregenz zu überreden, während er selbst noch in der Nacht nach Kärnten zu einem Meeting mit einem Araberscheich reisen müsse. Warum sie darauf einsteigt, wird in dem Moment klar, als sie nach seinem Abgang zum Telefon greift und ihren Geliebten in spe für eben diese Gelegenheit einteilt. Irene Budischofsky zeigt in Reizwäsche, was sie drauf hätte, um jeden Mann narrisch zu machen, wären da nicht Gewissensbisse, die den wahrhaft bedauernswerten Robert (Victor Kautsch mit köstlichem Accent) an der Durchführung amouröser Rache am vermutlich untreuen Gatten hindern. Nachdem es sich alle irgendwann in der Wohnung hinter einer der sechs Türen gemütlich gemacht haben, hat Haushälterin Anna ihren großen Auftritt.

Sie allein versteht es, das Mixed Doppel so lange voneinander fernzuhalten, bis sie den Matchball ausspielen kann. Anna ist wahrhaftig eine Perle, die den vorgeblichen Franzosen mit Mon Chéri füttert, selbst den besten Likör austrinkt und bereit wäre, für die Schweizerin Cathy ein Bircher Müsli zum Frühstück zuzubereiten. Spiel, Satz und Sieg für Ulli Fessl, die ihre Aufgabe für die Aufrechterhaltung der Moral mit umwerfender Komik zum Gaudium des Publikums tapfer erfüllt.


Kultur & Wein, 14. Oktober 2018