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NEU ab 17. Oktober 2017:

In einem nahezu friedlichen Idyll wohnt die alte Witwe Margret Wilberforth alleine mit ihrem Papagei „Mr. Gordon“ in einer großen Stadtvilla. Die Villa würde eigentlich reichlich Zimmer zum Vermieten bieten, doch durch die Nähe zum Bahnhof und den damit verbundenen Zuglärm ist es der alten Dame bisweilen noch nicht geglückt auch nur eines der Zimmer an den „Mann“ zu bringen. Bis eines Tages plötzlich der verschrobene Professor Marcus bei ihr auf auftaucht und gerne eines der Zimmer zusammen mit seinen Freunden mieten möchte, um dort ungestört musizieren zu können.

Was die vertrauensvolle Dame, die auf Anhieb von der Idee begeistert ist, jedoch nicht weiß: die Instrumente sind nur Tarnung, und die Streichmusik ertönt lediglich aus der Konserve. Denn in Wahrheit planen die als Streichquartett getarnten Gangster einen genialen Banküberfall und benötigen das Zimmer nur als Einsatzzentrale. Doch so genial der Plan auch scheinen mag, so wird die vertrauensselige Dame immer mehr zum Problem für die Herren. Nicht nur, dass ständig ihre Freundinnen zum Tee geladen werden. Ungewollt stößt Mrs. Wilberforth auch noch auf das gestohlene Geld. Bevor das Ganze aufzufliegen droht, bleibt den Ganoven nur noch ein Ausweg: Die alte Dame muss weg...

REGIE: SISSY BORAN

Bühnenbild: Siegbert Zivny

Kostüme: Barbara Langbein

LADYKILLERS

täglich, außer Sonntag & Montag um 20:15 Uhr

Silvester 18:00 Uhr & 21:00 Uhr

mit Eva Agai, Ingeborg Bauböck, Ulli Fessl,

Victor Kautsch, Rudolf Larsen, Josef Pechhacker, Stefan Wilde, Rafael Witak


Eine reizende alte Dame, alleine in ihrem Haus im Kolonialstil am Ende einer einsamen Straße und vier Gangster, die über Leichen gehen... Eine Krimikomödie von Elke Körver und Maria Caleita, die einen Mordsspaß verspricht! Denn „Ladykillers“ ist seit seiner berühmten Verfilmung von William Rose auch auf der Bühne zum Kultstück geworden.

Ein rabenschwarzer und spannungsgeladener Theaterspaß bei dem sich die Leichen auf der Bühne türmen. Und es darf von Herzen gelacht werden!

LADYKILLERS Geigenkästen voll geraubter Moneten

Liebe Verbrecher, hütet euch vor lieben alten Damen!


Man muss der Polizei nur ordentlich auf die Nerven gehen, damit sie einem irgendwann überhaupt nichts mehr glaubt. Es scheint fast, als wäre das die Strategie von Margaret Wilberforth gewesen. Denn nachdem sich die Gangster von selbst eliminiert haben, bleibt ihr die gesamte Beute eines großartigen Überfalls auf einen Geldtransporter. Man verrät damit, glaube ich zumindest, nicht die Pointe. Seit der Film „Ladykillers“ 1955 die Kinos eroberte und später regelmäßig im Nachmittagsprogramm des Fernsehens gezeigt wurde, kennt man den Ausgang dieser herrlich britischen Krimikomödie. Trotzdem macht es ungeheuren Spaß, den Umtrieben der angeblichen Geigenvirtuosen quasi live auf der Bühne zuzuschauen, wie derzeit in der Komödie am Kai, wo dieses Stück unter der Regie von Sissy Boran ins Programm genommen wurde.

Zum wahren Vergnügen einer Bühnenversion gehört natürlich eine entsprechende Besetzung. Der brave Polizeiinspektor Mr. Thompson muss ein netter junger Mann sein. Statt um Verbrecher kümmert er sich um das Wohl alter Damen, bringt ihnen den Schirm nach und leistet ihnen bei einem Glas Portwein Gesellschaft. Rafael Witak nimmt man diesen hilfsbereiten Herrn auf der Stelle ab. Bei seinem Charme schmilzt das Herz einer jeden Lady, egal welchen Alters. Die beiden Freundinnen Gwendolyn Livingstone und Harriet Plimshead benötigen reizende Naivität, zumindest bescheidenes Interesse für Musik und vor allem die entsprechende Aufdringlichkeit, wenn es darum geht, für das Fest ihres Wohltätigkeitsvereins nicht nur das Streichquartett, sondern gleich die Komposition einer ganzen Symphonie zu bestellen. Eva Agai und Ingeborg Bauböck scheinen dafür wie geschaffen. Diese beiden wissen, wie man das G auf der Gitarre bzw. auf der Klarinette findet und dabei das Publikum zum Lachen bringt.

Professor Marcus ist der eloquente Kopf der Bande. Er weiß in der blödesten Situation die richtige Ausrede, muss seine kriminelle Energie hinter großtuerischem Gehabe verbergen können und in jeder Lage der elegante Primgeiger des Streichquartetts bleiben. Victor Kautsch ist diese Rolle auf den Leib geschrieben. Nicht nur, dass er der größte der vier ist, er hat auch die Souveränität eines Bosses, der minutiös einen Überfall planen und dirigieren kann. Dr. Courtenay ist der Arzt, der irgendwann vom medizinischen Heilsweg abgekommen ist.Geblieben sind ihm ein Rest von Zynismus und ein etwas ramponiertes, besser gesagt, versoffenes Erscheinungsbild; eben ein ganz normaler zweiter Geiger. Man kann sich keinen anderen als Rudi Larsen in dieser Rolle vorstellen, der sich mit bitterem Humor über sich selbst lustig macht. Louis Harvey ist der Böse. Er hat das Messer und den Slang, der so gar nicht zu seinem Instrument, zur Bratsche, passen will. Wenn es aber darum geht, die Alte um die Ecke zu bringen, versagt er vollkommen. Er ist ein Gauner, aber kein Mörder. Mit Stefan Wilde ist auch dieser Gangster ideal besetzt, ebenso wie Willie Knoxton, der dicke Cellist. Er liebt den Kuchen von Mrs. Wilberforth, hat Bärenkräfte, aber nicht das Hirn, diese auch entsprechend einzusetzen. Josef Pechhacker gibt den gutherzigen, aber verfressenen Verbrecher in einer so rührenden Weise, dass es einen leid tut, wenn ihn in der Aufregung der Schlag trifft.

Die Gewinnerin ist, na wer? natürlich Mrs. Margret Wilberforth. Ihre Doppelkonferencen mit dem Papagei Mr. Gordon, ihre Begeisterung am Menuett von Boccherini, der Genuss einer Schale Tee und ihre Abneigung gegenüber dem schwarzen Regenschirm, das ist ihr Leben.

Die Pension, die ihr der mit seinem Schiff im Meer versunkene Gatte hinterlassen hat, ist ausreichend, um kommod die nächsten Jahre zu genießen. Sie hätte also keine Sorgen, abgesehen davon, dass die Polizei ihr keinen Glauben schenken will, was sie an Untaten und Außerirdischem beobachtet. Wer sonst als Ulli Fessl könnte diese Dame besser verkörpern?! Ihr sitzt der Schalk im Nacken, vor allem dann, wenn sie feststellen muss, dass ihr ein Vermögen zugewachsen ist und sie endlich Gelegenheit hat, den freundlichen Polizisten nicht nur auf ein oder zwei Gläser Wein, sondern zum Besuch des Theaters einzuladen, wo gerade das Kriminalstück „Ladykillers“ gegeben wird.


Kultur & Wein, 19. Oktober 2017