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DER DRESSIERTE MANN als amüsante weibliche Wunschvorstellung

Ist das Y-Chromosom tatsächlich nur ein abgebrochenes X?


Die Menschenkennerin Esther Vilar hat mit “Der dressierte Mann“ einen Bestseller gelandet. Als Mann sollte man das Buch wirklich einmal lesen, um zu wissen, wie Frauen diesbezüglich ticken. Eine Idee davon vermittelt der deutsche Schriftsteller John von Düffel im gleichnamigen Theaterstück, das nun in der Komödie am Kai unter der bewährten Regie von Sissy Boran sowohl männliches wie auch weibliches Publikum bestens unterhält. Es geht um das alte Problem, dass sie Karriere macht und das Zehnfache von ihm verdient. Wie damit umgehen? Bedeutet diese Unterlegenheit automatisch Impotenz? Ist es für ihn möglich, den Erfolg seiner Partnerin anzuerkennen? Alles Fragen, die im Grunde in unserer westlichen Gesellschaft längst geklärt sein sollten. Sind es aber nicht! Noch immer sitzen alte archaische Vorstellungen vom Mann als dem Ernährer und der Frau, die ihn deswegen heiraten will, in den Kleinhirnen der Beteiligten, zumindest in dieser Komödie, die sich unter dem Deckmantel der Unterhaltung durchaus ernsthaft mit derlei Konflikten auseinandersetzt.

John von Düffel hat sich als Mann ein besonders streichelweiches Exemplar ausgesucht. Andreas, sehr glaubhaft dargestellt von Rafael Witak, ist in einer Frauen-WG aufgewachsen. Seine Mutter Dr. Elisabeth Sturm-Wurm (sehr alternativ: Eva Agai) ist Feministin und Professorin an einer Universität mit einem Lehrstuhl für Gender Studies. Schon der kleine Andi musste beim Pinkeln sitzen, durfte keine Lederjacke tragen und hatte selbst zu kochen. Dass ausgerechnet dieser Softie an Laura gerät, die ihn in der gleichen Bank, in der auch er arbeitet, mit einem Riesensatz nach oben abhängt, scheint die logische Konsequenz einer frühkindlich gelenkten Partnersuche zu sein. Bernadette Mezgolits ist der ideale Typ für die burschikose Bankerin, die jedoch sowohl im Businessanzug als auch im femininen Kleid der Hausfrau aus den 1960er-Jahren eine ausnehmend gute Figur macht. Ihre Mutter ist damit alles andere als glücklich. Konstanze Mayerhofer ist der unerschütterlichen Meinung, dass sich Frauen einen Mann als Lebensversicherung halten sollten und nicht umgekehrt. Für diese Rolle wurde Ulli Fessl gewonnen, eine wunderbare Komödiantin, die mit Charme und Koketterie, aber auch mit einer ordentlichen Portion Ironie die Rollenbilder von einst vertritt. Dass ein Mann dressiert werden muss, darin ist sie sich mit der akademisch ausgebildeten Feministin absolut einig. Aber beide Mütter stoßen auf Widerstand bei der Jugend. Andreas und Laura kümmern sich einen Schmarren um deren Ansichten und gehen ihren Weg, auf dem weder ein dressierter Mann, noch eine Frau als Dompteurin vorgesehen sind.


Kultur & Wein, 12. Februar 2017

Vom 11. Februar bis 8. April 2017:

Ein Mann zwischen Lebenspartnerin, Schwiegermutter und der eigenen Mutter - die Schlacht um die Vorherrschaft in der Ehe ist selten so vergnüglich geschlagen worden wie in John von Düffel‘s Komödie nach dem Bestseller von Esther Vilar, denn Klischees und ihre Umkehrung sorgen für den perfekten Theaterspaß.

Andreas ist ein moderner, junger Mann, der durchaus Kochlöffel und Staubtuch gerne in die Hand nimmt und eigentlich eine "Partnerschaft auf Augenhöhe" führt. Doch ausgerechnet an dem Tag, an dem er mit Candlelight-Dinner und Verlobungsring zu Hause aufwartet, verspätet sich seine Liebste und bringt äußerst unerwartete Neuigkeiten: Der Bankvorstand hat Laura den Chefposten, auf den eigentlich Andreas spekuliert hatte, angeboten - unter einer einzigen Bedingung: keine Kinder. Für Andreas ist der Abend gelaufen und an Heirat ist nicht mehr zu denken.

Doch als wäre das nicht genug, erscheinen auch noch die Mütter des Pärchens auf der Bildfläche: Lauras Mutter Konstanze, von Beruf Ehefrau und zum dritten Mal verheiratet und Andreas Mutter Elisabeth, die als 68er-Feministin für die Frauenemanzipation kämpfte und heute völlig neue, wissenschaftlich fundierte Positionen dazu vertritt. Beides keine Frauen, die bei einer geplatzten Verlobung klein beigeben! Unter dem Gewitter von Argumenten und auf den Kopf gestellten Rollenbildern nehmen die beiden Frauen Hals über Kopf einfach das Ruder in die Hand. Und als Andreas aus einem komatösen Besäufnis erwacht, ist nichts mehr wie es einmal war...

Esther Vilars Gedanken und Beobachtungen über das Verhältnis der Geschlechter haben nichts an Brisanz und Schärfe eingebüßt. Und so schafft es John von Düffel mit seinen kabarettistischen Dialogen der männlich-weiblichen Gesellschaft feine Nadelstiche zu versetzen und das Stück mit würzigen Aphorismen anzureichern, deren hintergründiger Humor manchmal sogar an den eines Oscar Wildes erinnern lässt...

Die spritzig-amüsante Komödie von JOHN VON DÜFFEL nach dem Bestseller von ESTHER VILAR!

REGIE: SISSY BORAN

Bühnenbild: Siegbert Zivny

Kostüme: Barbara Langbein

DER DRESSIERTE MANN

täglich, außer Sonntag & Montag um 20:15 Uhr

mit Eva Agai, Ulli Fessl, Bernadette Mezgolits, Rafael Witak

"Der Dressierte Mann" trainiert nicht nur ihre Lachmuskeln,

sondern garantiert Unterhaltung auf höchstem Niveau!

Ein Frauenversteher in der Bredouille

Damit hat er nicht gerechnet: Frauenversteher Andreas, der seine Liebste mit einem romantischen Candlelight-Dinner samt Heiratsantrag überraschen möchte, fällt aus allen Wolken, als ihm seine Lebensgefährtin Laura eröffnet, befördert worden zu sein.

Die perfekte Beziehung auf Augenhöhe ist im Nu ramponiert, zumal sich Andreas selbst Hoffnungen auf den Posten in der Top-Etage gemacht hat und Laura zudem auch noch ein Vielfaches von seinem Gehalt verdienen wird. Und für Andreas ganz besonders desaströs: Laura muss sich auf Geheiß der Firmenleitung dazu verpflichten, ihren Kinderwunsch auf Jahre hinaus zu verschieben. Ärger zwischen den beiden ist somit vorprogrammiert.

Just zu diesem unpassenden Zeitpunkt statten sowohl Andreas’ wie auch Lauras Mutter ihren Sprösslingen einen Besuch ab. Unterschiedlicher könnten die beiden Damen nicht sein: Die Dozentin für Gender-Studies trifft auf die zum dritten Mal verehelichte Zahnarztgattin.

Doch so verschieden die 68er-Feministin einerseits und die Ehefrau mit einem Faible für Shopping-Touren andererseits zwar sind, bilden sich dennoch unerwartete Allianzen zwischen den Müttern. Und so lernt Laura in einem Crash-Kurs für sie völlig unbekannte Seiten des Frau-Seins kennen, während Andreas, der nach einem Delirium erst nach und nach seine Sinne wiedererlangt, die Welt nicht mehr versteht…


Vergnügliches Wetteifern um die Beziehungshoheit

John von Düffel, Jahrgang 1966, hat aus Esther Vilars Buch „Der dressierte Mann“, das im Jahr 1971 veröffentlicht wurde und für heftige Kontroversen sorgte, eine leichtfüßige Komödie (uraufgeführt im Düsseldorfer Theater an der Kö im Jahr 2011) kreiert. Sissy Boran und Andrea Eckstein haben das Werk für die Komödie am Kai adäquat bearbeitet, und auch 40 Jahre nach dem gesetzlichen Ende der „Hausfrauen-Ehe“ lässt das Stück noch Raum zum Nachdenken, sorgt aber gleichermaßen für gepflegtes Amüsement.

Schwungvoll und originell hat Sissy Boran das vergnügliche Wetteifern um die Beziehungshoheit inszeniert, in der Ausstattung von Barbara Langbein (Kostüme) und Siegbert Zivny (Bühnenbild) agiert ein hervorragendes Ensemble, dem die Spielfreude deutlich anzumerken ist.

Bernadette Mezgolits begeistert als selbstbewusste Powerfrau Laura, für die ein Gehaltsunterschied zwischen den Partnern kein Thema ist und die sich energisch gegen die Einmischung ihrer Mutter in sämtlichen Stilfragen stellt. Ebenso beeindruckt Rafael Witak als Andreas, der nur allzu gerne den Kochlöffel schwingt, im Spannungsfeld zwischen Lebensgefährtin, Mutter und Schwiegermutter in spe steht und mit allen dreien seine liebe Not hat.

Ulli Fessl brilliert als Zahnarztgattin Konstanze und Mutter von Laura, die an der Lebensführung ihrer Tochter kein gutes Haar lässt und sich ungefragt in deren Haushaltsbelange einmischt, ebenso grandios agiert Eva Agai als emanzipierte Gender-Forscherin Elisabeth, die sich mit Lauras Mutter verbündet und Andreas rundweg auf die Palme bringt.

Eine sehr charmante Produktion mit augenzwinkerndem Tiefsinn, die für feine Unterhaltung sorgt!


Anja Schmidt, Kultur Schatulle, 26. Februar 2017