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Vom 21. Mai bis 18. Juni 2016:

Der aus Budapest stammende und 2006 in Rio de Janeiro verstorbene brasilianische Dramatiker João Bethencourt widmete sein erfolgreichstes Stück Papst Johannes XXIII., der für die Titelfigur Pate stand. Seit der Uraufführung 1972 ist das Theaterpublikum immer wieder hingerissen von der verrückten, mit jüdischem Witz und Situationskomik gespickten warmherzigen Satire Bethencourts über die Unfähigkeit der Menschen, friedlich miteinander zu leben. Ein intelligentes Theaterstück, das nichts an Aktualität eingebüßt hat und bereits in über 40 Ländern gespielt wurde.

Samuel Leibowitz ist jüdischer Taxifahrer in New York und wirklich mit allen Wassern gewaschen. An seine verrückten Ideen hat man sich inzwischen gewöhnt, doch als eines Tages während einer ganz normalen Tour durch die Innenstadt New Yorks Papst Albert IV. ausgerechnet in sein Taxi steigt, übertrifft Sam sich selbst. Denn Gelegenheit macht Diebe: Er entschließt sich kurzerhand den Papst zu entführen und sperrt ihn in seine koschere Speisekammer.

Sams Frau Sara ist zwar Kummer gewöhnt von ihrem Ehemann, der die Ameisen im Garten mit Dynamit bekämpft, aber dass er den Papst entführt – damit hatte selbst sie nicht gerechnet. Der prominente Gefangene darf die Speisekammer bald wieder verlassen und sitzt fröhlich plaudernd und Kartoffeln schälend bei Sara in der Küche, während der engagierte Sam auch schon eine prächtige Idee hat, wie seine "Lösegeld"-Forderung aussehen könnte: Ein Tag lang muss Frieden herrschen auf der Welt!

Die Situation wird noch brisanter, als Kardinal O’Hara und Rabbi Julius Meyer, Sam's listiger Onkel, in das Geschehen eingreifen. Der Rabbi spielt mit dem Papst Schach, um dann aus Geldgier das Versteck des Stellvertreters Gottes zu verraten, was beinahe den 24stündigen Frieden in sein blutiges Gegenteil verwandelt. Denn jetzt wird das Grundstück der Familie Leibowitz nach allen Regeln der Kriegskunst militärisch belagert. Angeführt wird diese Aktion von Kardinal O’Hara, der glaubt, das Oberhaupt der Katholischen Kirche nur mit Gewalt befreien zu können.

Doch der Papst bändigt das Unheil, indem er seinen Entführer zum alten Freund erklärt und der Welt eine Verschnaufpause schenkt, die jedoch nicht eine Sekunde über den Friedenstag hinaus währt: Die Welt ist wieder "normal".

João Bethencourts Komödie greift mit intelligentem Humor ein heikles Thema auf: das (scheinbar unmögliche) friedliche Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen. Bethencourt treibt dabei die Handlung so meisterhaft auf die Spitze, dass in kurzer Zeit kaum mehr ein Auge trocken bleibt. Eine gekonnte Mischung aus einem aberwitzigen Stoff mit Tiefgang, pointierten Dialogen und absurden Situationen.

DER TAG, AN DEM DER PAPST GEKIDNAPPT WURDE

täglich, außer Sonntag & Montag um 20:15 Uhr

mit Katja Hauser, Leonie Reiss, Franz Becke, Rudi Larsen, Josef Pechhacker, Bruno Thost, Marius Zernatto

Gastspielproduktion von Bruno Thost

REGIE: KATJA HAUSER

Bühnenbild: Siegbert Zivny

Kostüme: Jenny Thost

„Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ - eine Komödie

Die wahre Geschichte hinter dem Weltfriedenstag


Was ist ein jüdischer Taxifahrer, der in New York den Papst entführt? Ein Verbrecher? Keineswegs, sondern ganz einfach nur meschugge. Meschugge ist im Jiddischen einer, der verrückt genug ist, Dinge zu tun, die andere nicht sofort verstehen. Das heißt wiederum alles andere als dumm. Sogar Nobelpreisträger sollen angeblich meschugge gewesen sein, vielleicht hätten sie sonst nie ihr Lebenswerk mit der dafür nötigen Konsequenz ausführen können. Was aber ist die Intelligenzleistung, wenn einer spontan den Papst entführt, nur weil dieser in sein Taxi gestiegen ist. Der in Ungarn geborene brasilianische Dramatiker João Estevão Weiner Bethencourt gibt die Antwort darauf in einer Sprache, auf die man gerne hört. Er hat sie in eine Komödie verpackt – eigentlich auch ganz schön meschugge, ein so ernstes Thema fürs Lachen aufzubereiten. Am Schluss ist man jedoch überzeugt, dass sich nur auf diese Weise ein wirklich großes Anliegen unter die Leute bringen lässt, wie zum Beispiel der Weltfriedenstag, den Papst Paul VI. 1968 eingeführt hat.

Um diesen Papst geht es auch dem Autor. Leutselig, von mildem Gemüt und mit einem offenen Geist gegenüber allen, die möglicherweise anders denken als er, so zeichnet Bethencourt seinen Pontifex, also ganz Brückenbauer, der es mit freundlichem Lächeln auf sich nimmt, im Haushalt der Familie Leibowitz ein paar Tage Zwangsurlaub zu machen. Mit Rabbi Meyer spielt er Schach und mit Sara, der Hausfrau, erntet er im Garten die Gurken und schält ihr die Erdäpfel. Nicht einmal seinem Kidnapper Samuel Leibowitz ist er böse und gibt ihm zuletzt volle Absolution für die Tat, die sich am Ende sogar als gutes Werk herausstellt.

Eine flotte Truppe um Bruno Thost ist bis 18. Juni 2016 mit dieser launigen Friedensbotschaft in einem Gastspiel in der Komödie am Kai zu erleben. Es war, so kann man sagen, ein Geburtstagsgeschenkt zum 80er an diesen wunderbaren Schauspieler, den spürbar große Menschlichkeit und Weisheit mit dem von ihm verkörperten Papst Paul VI. verbindet. Sein Gegenspieler, der jüdische Taxler Sam Leibowitz (Rudi Larsen), macht es ihm nicht immer leicht, Güte walten zu lassen.

Schwierig wird es vor allem dann, wenn er ihn in ein stinkendes Kammerl mit koscherem Speck einsperrt oder die anrückende Polizei mit im Garten vergrabenen Mienen auf Distanz hält. Aber im Grunde hat auch der ein wahrhaft großes Herz, das der Papst sofort erkennt und anerkennt. Dessen Frau Sarah ist Katja Hauser, die gleichzeitig Regie geführt und bestens darauf geachtet hat, das Jüdische dieser Familie nur fein dezent anklingen zu lassen. Auch Rabbi Meyer (Josef Pechhacker) ist mehr freundlicher Herr als jiddelnder Gelehrter. Die beiden Kinder der Familie dürfen sich so richtig austoben und machen es auch gekonnt. Marius Zernatto ist Irving Leibowitz, der mit einem Reindl als Helm entschlossen Heim und Papst verteidigt.

Leonie Reiss als Mirjam ist seine Schwester, die als reizender Teenager mit Fernseher und Kopfhörer lautstark für die laufende Info sorgt. Franz Becke hat es schwer, im Purpur des Kardinals O´Hara Sympathien zu gewinnen. Er steht auf verlorenem Posten, wenn es darum geht, sich in dieser Verbrüderung zweier Religionen durchzusetzen. Er dürfte der letzte sein, der kapiert hat, dass an diesem Tag, an dem der Papst entführt wurde, die Idee einer friedlichen Welt, wenn schon nicht geboren, zumindest aber angedacht wurde.


Kultur & Wein, 22. Mai 2016

Warum der Papst in der Küche Kartoffeln schält

Ein zeitlos aktuelles Stück aus der Feder von João Bethencourt steht derzeit als Gastspielproduktion von Bruno Thost auf dem Spielplan der Komödie am Kai.

Bethencourts warmherzige Komödie „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ (Uraufführung: 1972 in Rio de Janeiro) ist eine wunderbare Utopie, wie es wäre, wenn die Menschen – auch nur für einen Tag – weltweit friedlich miteinander zusammenlebten.

Sein Stück hat Bethencourt (geboren 1924 in Budapest, verstorben in Rio de Janeiro 2006), im Jahre 1967 angesiedelt. Der Autor verpackt seine Vision in einen höchst kuriosen Plot, der in New York spielt: Der jüdische Taxifahrer Samuel Leibowitz entführt kurzerhand den Papst, als dieser zufällig in Samuels Wagen steigt. Der unerwartete „Gast“ wird umgehend in die koschere Speisekammer des Hauses Leibowitz gesperrt, wo er anfangs noch für Onkel Harry aus Chicago gehalten wird.

Im Nu weiß die ganze – völlig fassungslose – Familie Bescheid, und auch Rabbi Meyer, ein Onkel von Samuel, hat die Situation durchschaut. Klar ist auch, dass ein besonders hohes „Lösegeld“ gefordert werden muss – allerdings nicht in monetärer Hinsicht, sondern in Form eines 24 Stunden währenden Weltfriedens.

Samuel hat dabei aber die Rechnung ohne Rabbi Meyer gemacht: Der verrät das Versteck des Papstes, und sogleich wird das Haus der Familie Leibowitz von Einsatzkräften belagert.


Ein Topf guter Suppe hält die Familie zusammen

Eine turbulente Handlung erfordert eine ebensolche Umsetzung, und diese ist Regisseurin Katja Hauser meisterlich gelungen. Sie selbst spielt Sara, Samuels Frau, die erst völlig fassungslos über die Untat ihres Gatten ist, um dann kurze Zeit später mit dem Papst gemütlich in der Küche zu sitzen. Hauser schafft die rührende Darstellung einer Mutter, die ihre Familie mit einem Topf guter Suppe zusammenhält und ihren Mann selbstbewusst zur Räson bringt, aber dennoch zu ihm steht.

Rudi Larsen spielt den überdrehten Taxifahrer, der über seine eigene Courage erschrickt, dann aber zur Höchstform aufläuft, um sein umstelltes Haus zu verteidigen. In witzig-absurden Szenen kommandiert der Ex-Sprengmeister seinen Sohn – beide haben sich militärisch adjustiert (lustiger Regieeinfall: Der Sohn hat sich einen Kochtopf auf den Kopf geschnallt) – durch das sich zuspitzende Geschehen.

Leonie Reiss und Marius Zernatto wirbeln als Tochter Miriam und Sohn Irving über die Bühne. Reiss überzeugt mit einer liebenswerten Darstellung der Tochter des Hauses, die sich auf Anhieb mit dem „Gast“ versteht, Zernatto sorgt für sehr viel Schwung auf der Bühne, wenn er zwischen seinem Vater im Haus und der Polizei vor der Tür vermittelt.


Ein Geschenk zum 80er: Bruno Thost als gütiger Papst

Als Papst brilliert Bruno Thost, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte. Die fiktive Figur wurde dem realen Papst Paul VI. nachempfunden, der im Jahre 1967 den Weltfriedenstag einführte. Thost gibt ein gütigen, verbindenden Heiligen Vater, der seiner „Gastgeberin“ beim Kartoffelschälen hilft und mit Rabbi Meyer Schach spielt. Beim Abschied von seinen neugewonnen Freunden erhält das Kirchenoberhaupt sogar eine Gurke aus dem familieneigenen Garten.

Josef Pechhacker mimt einen mit allen Wassern gewaschenen Rabbi, der – weil er aus seinem Wissensvorsprung kein Hehl macht – eine kalte Dusche abbekommt, Franz Becke ist ein strenger Kardinal, der den Papst befreien will, um am Ende feststellen zu müssen, dass sich die Welt gerade ein wenig verbessert hat.

Hausers temporeiche Inszenierung findet in einem sehr detailreich und im Retro-Chic (auffällig: Kühlschrank und Fernseher) gestalteten Bühnenbild von Siegbert Zivny ihren Platz, als Blickfang schmücken Kinderzeichnungen die Wände. Ebenfalls in die 60er passend: die stilvollen Kostüme von Jenny Thost.

„Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ ist noch bis 18. Juni in der Komödie am Kai, dienstags bis samstags (Beginn: 20.15 Uhr), zu sehen.


Anja Schmidt, Kultur Schatulle, 26. Mai 2016